Berichte

ANW-Exkursion am 26. April 2022 ins Revier Gräfenroda, Forstamt Finsterbergen

Fichtenwirtschaft im Thüringer Gebirge – Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie – Dauerwald und Waldumbau im Thüringer Gebirge

 

Erstes Waldbild --- Teilfl. 131 b1 mit 17,7ha, Hff – ZG2/ZG3/ZGg3U, Klimabereich 34, Nordhang

Zweischichtiger Fichtenreinbestand im mittleren bis starken Baumholz in der Hangneigungsstufe 4 (größer 50%), Höhe über NN 700 – 750 m

OB 100% Fichte mit 135 Jahren, 1,01 bestockt, mit ca. 730 Vfm/ha
UB Fichte mit einzelnen Buchen
Der Planungsvorschlag der FE von 2016 beträgt 100 Efm/ha einzelstammweise, in 2 Nutzungen.

Forstamts- und Revierleiter betonten, dass sie auch in Zukunft auf solchen Standorten und in dieser Höhenlage mit der Fichte wirtschaften wollen. Vor dem Hintergrund der Klimaentwicklung, die in den letzten Sommern sichtbar wurde und den daraus folgenden Erwartungen für die BA Fichte kam schnell die Frage auf welche Erwartungen man insbesondere für den Oberbestand habe?

Die Diskussionen gingen in der Entnahmestärke von 120 Efm/ha (2x60 Efm) bis zu 400 Efm/ha (250 + 150 Efm), von Saumkahlschlägen bis zur einzelstammweisen Nutzung, wobei das bayerische Gebirgsmodell mit der Ausformung von „Buchten“ beidseits der Seiltrassen mehrheitlich favorisiert wurde. Bei der Ausformung der Buchten ist darauf zu achten, dass am Rand möglichst stabile Bäume stehen, um die Nachbrüche zu begrenzen.

Relativ einig war man sich, dass der Oberbestand noch wichtige differenzierende Wirkungen für den Unterstand hat und dass man die vorhandenen Mischbaumarten durch Pflege auf jeden Fall begünstigen und erhalten will. „Schäden“ an der Verjüngung in Folge der Holzernte (HE) sollten (als Chance) genutzt werden um weitere Mischbaumarten einzubringen.

Auch wenn der Wunsch besteht auf diesen Standorten weiter mit der Fichte zu wirtschaften, so ist doch keineswegs sicher wie lange das noch möglich sein wird. Damit drängt sich auch die Frage auf wie weit das „System Fichte“ hier zu lande noch zukunftsfähig ist, oder ob zur Sicherung der zukünftigen Waldfunktionen der Schwerpunkt der Betrachtungen nicht viel stärker auf die Folgegeneration zu lenken ist? Wenn dem so ist stellen sich die Fragen, was bringt man wie und wann im Unterstand noch ein und wie viel fm des Oberbestandes braucht man dauerhaft, um das Überleben der Mischbaumarten und eine Differenzierung im Unterstand zu gewährleisten?

Zweites Waldbild --- Teilfl. 137a11 mit 7,88ha, Mf – ZG 2 / ZG3 Klimabereich 34; südöstl. geneigt

Zweischichtiger Fichtenreinbestand im mittlere Baumholz, Höhe über NN ca. 650 m

OB 100% Fichte mit 121 Jahren, 0,68 bestockt, mit ca. 470 Vfm/ha
UB Fichte überwiegend im Dichtstand mit einer Oberhöhe von ca. 5-6 m

Der Planungsvorschlag der FE von 2016 beträgt 60 Efm/ha einzelstammweise im OB.

 Diskussionspunkte waren:

  • Pflege im Unterstand: Ja oder nein?
  • Pflegezeitpunkt?
  • Förderung und Einbringung von Mischbaumarten?
  • Technologie Holzernte Oberbestand?

Erfreulich war eine gute Differenzierung nach Höhe und noch mehr nach Durchmesser im Unterstand. Aufgrund des gedrängten Dichtstandes im Unterstand kommt nur wenig Wasser am Boden an (hohe Interzeption) und die Wahrscheinlichkeit, dass der Unterstand in Trockenstress gerät (evtl. komplett ausfällt) und die Einzelbäume eine unzureichende Wurzelentwicklung haben ist hoch.

Eine Stammzahlreduktion wäre teuer (ca. 1500,-€/ha), zudem würde das verbleibende Material so hoch liegen, dass auch nur ein Teil des Niederschlages am Boden ankäme, das Holz würde für verschiedene Käferarten aber durchaus bruttaugliches Material darstellt. Wichtig ist in jedem Fall vorhandene Mischbaumarten durch Pflege zu sichern und möglichst auch noch weitere Mischung einzubringen.

So ging die Diskussion denn auch von unbedingt möglichst zeitnah auf Stückzahl reduzieren, über Energieholzentnahme, bis zu noch warten und in ca. 5 Jahren mit dem Harvester durch eine erste Holzernte pflegen. Einigkeit bestand darin vorhandene Mischbaumarten auf alle Fälle durch Pflege zu sichern.

Sinnvoll erscheint mir eine Energieholznutzung auch wenn damit ein gewisser Nährstoffentzug verbunden ist. Es wäre eine zumindest kostendeckende Vereinzelung im Unterstand, die einen Pflegeeffekt für die verbleibenden Individuen hat, die die Wasserversorgung deutlich verbessert und bei der kein Brutmaterial für die Borkenkäfer verbleibt.

Im Oberbestand der sich sehr differenziert darstellt, sind die 60 Efm bei einem Vorrat von 470 Vfm, eher eine untere Grenze.

Drittes Waldbild --- Teilfläche 140 b11, 2, 3 mit 7,62 ha, Mf – ZG3 Klimabereich 34, östlich geneigt

OB 100% Fichte 59 Jahre, 0,83 bestockt mit Beimischung von Kiefer und Birke, Höhe über NN ca. 650 m, Vorrat ca. 340 Vfm/ha.

Der Planungsvorschlag der FE von 2016 beträgt 80 Efm/ha in 2 Eingriffen und eine Pflege im Unterstand.

Der Waldumbau unter Einbeziehung von natürlich entstandenen Vorwäldern aus Pionierbaumarten, hier überwiegend der Birke, nach Kalamität in einem aufgelichteten Fichtenreinbestand war an dieser Stelle das Thema. Zu sehen war das segensreiche Wirken der Pionierbaumarten. Nach nur 15 Jahren war in den gepflegten Birken ein Waldinnenklima entstanden, dass sich sehr vorteilhaft auf die Optionen der Lichtsteuerung und damit der Differenzierung auswirkt. Die Begünstigung bereits vorhandener-, sowie die Einbringung weiterer Mischbaumarten ist damit ebenfalls viel besser steuerbar.

Pionierbaumarten sind Lichtbaumarten und brauchen, um stabil zu werden, eine möglichst lange (mind. 70%) Krone. Ohne mehrmalige Pflegen fallen sie i. d. R. frühzeitig aus und machen regelrecht „die Biege“. In der Diskussion wurde auch gefragt ob es eine Option sei die Birken in einem Schritt auf einen Abstand von 7m zu reduzieren? Das würde bewirken, dass sich das Waldinnenklima erst deutlich später, beim Erreichen eines relativen Dichtschlusses, einstellen würde.

Insgesamt eine sehr gelungene Exkursion, bei einem sehr engagierten Team vor Ort. Hier wurden keine „Traumhaften Waldbilder“, dafür aber echte Aufgaben, die es zu lösen gilt, gezeigt und diskutiert.  

 

Hubertus Schroeter, Mai 2022

Okt. 21: ANW Jahresexkursion - Österreich/ Slowenien

Vom 6. – 10. Oktober brachen 24 Mitglieder der ANW-Landesgruppe Thüringen zur Jahresexkursion 2021 nach Kärnten in Österreich auf.

„Kompakt bleiben!“ – Das war das Motto der 5 Tage, in denen nicht nur Wälder in Österreich, sondern auch in Slowenien, auf dem Plan standen. Nach einer 6-stündigen Fahrt erreichten am Mittwochabend alle 4 Kleinbusse aus den unterschiedlichen Ecken Thüringens das Seehotel Hoffmann, wo man sich bei einem gemeinsamen Abendessen auf die kommenden Tage einstellte.

Am Donnerstagmorgen begrüßte Revierleiter Wilhelm Himmelbauer die Gruppe im Forstbetrieb Reichenfels im oberen Lavanttal. Bei strömenden Regen und bester Laune diskutierte man über das „Chaos mit System“ und die Forstbetriebsplanung, die sich auf eine permanente Stichprobeninventur mit fixen Probekreisen stützt. Herr Himmelbauer erläuterte die K-Wertmethode, über die er die Fichtenaltholzbestände auszeichnet, oder besser gesagt, „auszeigt“. Dabei diente ihm der Bitterlichstab, um in Abhängigkeit des Durchmessers den Konkurrenzdruck der Z-Baum-Bedränger zu beurteilen. Gegen Mittag lud dann die Familie Rittler auf ihr Gut Lichtengraben ein, stellte das Schloss und dessen Gesichte vor und servierte frisch geräucherte Forelle. Über das Klippitzthörl führte die Route weiter nach Hüttenberg im Görtschitztal, dem Geburtsort des Bergsteigers Heinrich Harrer. Mit dem Besuch des ihm gewidmeten Museums kam so auch das Kulturelle nicht zu kurz. Hoch hinaus führte für einige Mutige anschließend noch der Lingkor, ein tibetischer Pilgerpfad in der Felswand gegenüber des Museums. Nach der Rückfahrt ins Hotel ließ man den Abend bei gutem Essen und dem einen oder anderen Glas Rotwein ausklingen.

Exkursionsgruppe unter der Leitung von RL Himmelbauer

Der Freitag führte nach Slowenien. Dr. Franc Pogacnik, Betriebsleiter des 21.000 ha Kirchenforstes und Dr. Ales Kadunc, Leiter des Forstunternehmens GG Bled, erwarteten die Thüringer ANW-Gruppe in Bohinjska Bistrica. Am Vormittag besichtigte man gemeinsam das Revier Jelovica. Große Schneebrüche, Stürme und Borkenkäferbefall sorgten für große Kalamitätsflächen in diesem Gebiet, die wiederbewaldet werden sollen. Es wurden dabei nicht nur waldbauliche Erfahrungen ausgetauscht, sondern auch Vergleiche der forstwirtschaftlichen Strukturen in Slowenien und Deutschland gezogen. Nach einem

Mittagessen im Restaurant Resje in Nemski Rovt stand ein Besuch des Reviers Pokljuka an, wo vor allem Schnee- und Hanglagen die Holzernte anspruchsvoll gestalten. Zusätzlich schränkt die Ausweisung von Schutzzonen und Skianlagen forstwirtschaftliches Handeln stark ein. Die Rückfahrt führte über das Radovna-Tal und den Wurzenpass nach Österreich, ins Hotel am Ossiacher See.

Der Betrieb von Familie Hippel/Fugger war das erste Ziel am Samstag, dem vorletzten Tag der Reise.

Das Haus der Familie bildete durch seine Holzbauweise und Kombination aus Altem und Neuem den Gegenstand erster Gespräche, bevor die eigentliche Betriebsgeschichte des Waldes von Andreas Fugger erläutert wurde.

Er vertrat die mittlerweile 4. Generation des Familienbesitzes. Die Bestände aus Fichte, Tanne und Buche sowie weiterer Begleitbaumarten zeigte eindrücklich, wie naturnahe Waldbewirtschaftung und biologische Automation Hand in Hand gehen können. Schneebrüche und Windwürfe waren immer wieder Ausgangspunkte für Naturverjüngung und einer daraus folgenden vertikalen Differenzierung und Strukturierung. Unter einer dazukommenden bestandesschonenden Einzelstammentnahme entwickelte sich ein Waldbild, welches sicher eines der Höhepunkte der Exkursion war. Nach einem guten Mittagessen im Gasthof Gröblacher  in Köstenberg begab sich die Gruppe zu einem Revierbegang im FV Dobein. Geführt von Markus Wedening besprach man die Themen Waldumbau und Wildtiermanagement nach starkem Borkenkäferbefall. Dr. Georg Frank ergänzte die Führung durch einen spannenden Einblick in das Thema Naturwaldreservate und deren Handhabung und Überwachung in Österreich bevor man zu einem weiteren Highlight der Exkursion aufbrach.

Waldbestand der Familie Fugger
Der 100m hohe Pyramidenkogel
Ausblick vom Pyramidenkogel

Es folgte eine Besichtigung des höchsten Holzturms der Welt. Mit 100m Höhe thront der Pyramidenkogel über das Keutschacher Seental und den Wörthersee. Im Genuss einer atemberaubenden Aussicht und bei schönem, jedoch windigem Wetter konnte die Gruppe in einer exklusiven Führung mit dem Architekten alles über die Entstehung und Bauweise aus Holz erfahren. Der Weg hinauf war steil und so bot es sich für einige Mutige an, den deutlich schnelleren Weg hinab zu wählen. In der höchsten Rutsche Europas, die um den Turm herumgebaut ist, konnte man innerhalb weniger Sekunden wieder den Erdboden erreichen.

Exkursionsteilnehmer im Gespräch mit Dr. Eckart Senitza

Am Sonntag, dem letzten Exkursionstag, stellte Dr. Eckart Senitza - Vorsitzender von Pro Silva Austria und Pro Silva – Gut Poitschach vor, das seit fast 30 Jahren naturnahe Waldbewirtschaftung betreibt. Einen interessanten Beitrag zur Rolle der Forstbehörden in Österreich bot Herr Günther Flaschberger, bevor den Teilnehmern ein Blick in die kleine, niedliche barocke Kirche auf dem Gut gewährt wurde.

Während der folgenden dreistündigen Revierbegehung diskutierte man mithilfe zahlreicher Tabellen und Diagramme über Kalamitäten, Naturschutz aber auch über Durchforstungen, Pflegen und Wiesenaufforstungen sowie über eine Dauerbeobachtungsfläche. Der leider schon letzte Tag konnte mit einem Mittagessen im Gasthof zum alten Mesner ausklingen. Im gemütlichen Beisammensein ließ man noch einmal alle interessanten und bereichernden Erlebnisse Revue passieren und tauschte sich bereits über mögliche spannende Reiseziele für die nächste Jahresexkursion aus.

Die Exkursion nach Österreich und Slowenien ermöglichte den Teilnehmern das Kennenlernen neuer, anderer Perspektiven auf den Wald und dessen Bewirtschaftung. Darüber hinaus ergaben sich auch wunderbare Eindrücke kultureller und kulinarischer Art. Einen besonderen Dank richten wir an Dr. Eckart Senitza für seine Programmgestaltung und Begleitung, ebenso wie den Organisatoren der ANW-Landesgruppe Thüringen und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen auf der nächsten Exkursion in die Wälder außerhalb Thüringens.

Caroline Lippold, Amelie Wohlleben

17.09.21: Ein Freitag für den Dauerwald

im Forstamt Bleicherode-Südharz, Revier Christianenhaus

Forstamtsleiter Gerd Thomsen konnte am 17.09.2021 eine Gruppe von insgesamt 10 Interessierten zum Thema „Umgang mit dürren Fichtenbeständen“ im Forstamt Bleicherode-Südharz begrüßen. Der Vormittag führte durch verschiedene Waldbilder im Revier Christianenhaus. Zunächst erläuterte Gabriel Schwarze (Sachgebiet Waldarbeit und Technik) die wichtigsten Punkte zum Umgang mit stehendem Totholz aus der Fachanweisung „Schadholzmanagement“. Kern des Tagesprogrammes war die Besichtigung des Monitoringprojektes „Fichtendürrständer“, welches vom Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrums Gotha geplant und vom Forstamt angelegt wurde. Unterstützt von Revierleiterin Christin Krug stellte Sonja Gockel (Sachgebiet Waldbau, Jagd und Fischerei) den Versuchsaufbau vor.

Ziel ist die Untersuchung der ökologischen Wirkungen des stehenden Totholzes in verschiedenen waldbaulichen Varianten. Dazu wurde ein flächiger Dürrständer-Bestand belassen, ein Bereich mit gruppenartige Totholzinseln und ein Bereich mit Hochstubben (in ca. 1,80 bis 2m Höhe) angelegt. Zum Vergleich dient eine Freifläche, die unmittelbar räumlich anliegt. Für alle Flächen ist eine künstliche Wiederbewaldung geplant. Beobachtet werden der Wiederbewaldungserfolg und die Auswirkungen des belassenen Totholzes (auf Boden, Vegetation und Klima). Erste waldökologische Ergebnisse zwischen den verschiedenen Varianten zeigen aktuell schon einen deutlichen positiven Einfluss des Totholzschirms auf die Bodentemperatur.

Die Veranstaltung war geprägt von einer offenen und konstruktiven Diskussion im kleinen Kreis. Sicherlich ungewöhnlich anzusehen für die Teilnehmer war die angelegte Fläche mit den Hochstubben (Foto). Hier ist eine Stockachselpflanzung mit Laub- und Nadelholz geplant. Weitere Wiederbewaldungsmöglichkeiten, die Gestaltung der räumlichen Ordnung, Arbeitssicherheitsaspekte, und die zukünftige Begehbarkeit wurden erörtert und abgewogen, sowie die Nutzung von Hochstubben als dauerhafte Gassenmarkierung.

Deutliches Fazit aller Beteiligten: das Thema lässt noch viele Fragestellungen offen. Ein Erfahrungsgewinn kann nur durch Erproben und Beobachten, und letztendlich dem gemeinsamen Erkenntnisaustausch entstehen.

Herzlichen Dank an Gerd Thomsen und sein FoA-Team für diesen Tag!

Sonja Gockel

Wiederbewaldung mit Hilfe Hochstubben bzw. Mutterstöcken (Foto: Sonja Gockel)

17.09.21: Ein Freitag für den Dauerwald

im Forstamt Heldburg, Revier Gleichamber

Eine bunt gemischte Truppe aus Amtsleitern, Revierleitern, Praktikant/-innen und Funktionern, insgesamt übersichtliche 8 dafür Interessierte, fand sich zu einem kurzweiligen Waldgang im Revier Gleichamberg.

Revierleiter Mathias Eisenbach stellte prägnant und transparent seine Erfahrungen zu Wiederbewaldungsmaßnahmen nach Abgang jüngerer Fichtenbestände vor: Trupppflanzung, Konkurrenzvegetation, Pflugstreifen. Ergebnis: Weniger und dann richtig (Trupps, Pflege, Markierung, Beobachten) sind mehr.

Beeindruckend war auch der Unterschied zwischen Schirm (=Waldklima) und abgedeckter Fläche (=Ackerfläche mit Unkraut) – siehe Foto.

Anschließend schaute die Gruppe in der Naturwaldparzelle/Totalreservat (NSG) „Buchenhof“ nach, wie die Natur das Problem „sterbende Fichten durch Borkenkäfer“ seit Jahren löst: Mit Abbau des freigesetzten Stickstoffs (Holunder, Himbeere), in den Verhauen geschützter Naturverjüngung, Vorwald (Birke, Aspe). Allein durch die Vielfalt an Strukturen ist der Dauerwald schon denkbar.

Zum Abschluss wurde der „Urwald von morgen“ (über 180-jähriger Buchenbestand in der NWP) erwandert – kleinflächiges Nebeneinander aus einzeln abgängigen Buchen, Verjüngung. Eben der kleine Kreislauf… was ein Gegensatz zum großen (boreal anmutenden) Fichtenkreislauf davor.

Lars Wollschläger

 

Exkursionsteilnehmer am 17.09.2021 im Revier Gleichamberg (Foto: D.Hessenmöller)
Nach Kalamität abgedeckte Fläche (Foto: D.Hessenmöller)

„Ein Freitag für den Dauerwald“

im Forstamt Jena - Holzland

Unter der Leitung von Forstamtsleiter Bernhard Zeiss, Martin Balke, technischer Koordinator und ehem. Revierleiter Rothehofsmühle und Phillip Vogel, Revierleiter Quirla, ging es am 17.09. unter dem Motto: „Verschiedene Ansätze zur extensiven Wiederbewaldung“ in die genannten Reviere.

Auf durch Kalamitäten entstandenen Kleinflächen bestand in den letzten Jahren die Möglichkeit, extensiv genutzte Bereiche zu schaffen, die nach Jahren der Ent­wick­lung, während der Exkursion vom Fachpublikum begutachtet und diskutiert werden konnten.

Durch gezielte Förderung des Dauerwaldes, die konsequente Reduzierung der Wilddichte, etablieren von standortgerechten Baumarten sowie Naturverjüngung und regelmäßiger Pflege konnten Flächen abseits der Monokulturen und den damit verbundenen uns allen bekannten Gefahren entstehen. Nicht alle Ergebnisse entsprachen den eigenen Vorstellungen über die zukünftige Entwicklung der Flächen und so würden bestimmte Entscheidungen nach dem heutigen Wissenstand anders getroffen werden. Dies gab ausreichend Potenzial für spannende Diskussionen unter dem aufmerksamen Publikum.

In Bezug auf Naturverjüngung und Fördern von bislang ungenutztem Holz sollten wir visionär in die Zukunft schauen, so könnten ggf. auch Baumarten und Sortimente, die heute noch nicht im Fokus der Industrie und Baubranche stehen, im Zuge der tech­nischen Entwicklungen, von großem Interesse sein. Auch die Pflege der Flächen und die damit verbundene, nötige Schaffung von Arbeitsplätzen für Forstfachkräfte sollte nicht außer Acht gelassen werden. Dies würde eine Verschiebung der Prioritäten ergeben, sodass mehr Geld für den künftigen Einschlag eingeplant werden müsste und vorerst weniger Geld generiert werden könnte.

Die Exkursionsflächen (Versuchsflächen) zeigen, wie die Aufgabe des Waldumbaus in Zukunft bewältigt werden kann, dass aber auch noch erhebliches Potenzial in weiteren Versuchen steckt um den Wald für alle Eventualitäten, verbunden mit dem Klima­wandel und unseren Bedürfnissen, langfristig zu stärken.

Martin Schiebe

Ein Freitag für den Dauerwald im Forstamt Jena - Holzland

Katastrophe als Chance - Sukzession als Baustein der smarten Wiederbewaldung

Herbstexkursion 2019

Die Thüringer ANW Herbstexkursion führte am 9. Oktober 2019 in das Forstamt Erfurt-Willrode. Forstamtsleiter Dr. Chris Freise stellte den rund 50 Teilnehmern das gemeinsam im Forstamt entwickelte Konzept vor, wie die Dürre-Katastrophe in einem naturnah wirtschaftenden Betrieb nicht nur bewältigt, sondern auch als waldbauliche Chance genutzt werden kann. Und zwar für die Etablierung von klimastabilen Lichtbaumarten und die Integration von Sukzessionsprozessen und Weichlaubhölzern in ein nach wie vor als Gesamtstrategie verfolgtes Dauerwaldkonzept.

Die Exkursionsroute zeichnete den gedanklichen Entscheidungsprozess im Forstamts-Team nach. Gestartet wurde im Landeswald des Reviers Kranichfeld bei Revierleiter Ronald Schäfer. Im Palisadengrund konnten sich die Teilnehmer mal wieder von den enormen Vorteilen strukturreicher Wälder überzeugen, die hier bei langjährig einregulierten Schalenwildbeständen von Douglasien, Fichten und Kiefern im Oberstand und einer reichen Naturverjüngung aus rund 15 verschiedenen Baumarten geprägt waren. In den fichtenreichen Partien löste sich der Oberstand mit einem Borkenkäferloch nach dem anderen Stück für Stück auf, so dass hier über höheren Lichtgenuss auch Baumarten wie Eiche, Kiefer und Lärche eine Chance finden. Die Entwicklung sahen Revierförster Ronald Schäfer und Forstamtsleiter Dr. Chris Freise mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Tragisch sei, dass hier durch den Klimawandel großflächig das Nadelstarkholz verschwinde, mit dem in dauerwaldartigen Strukturen eine ökonomisch extrem auskömmliche naturnahe Waldwirtschaft möglich gewesen wäre. Beruhigend wirke, dass auf diesen Flächen keinerlei Investition in Pflanzung erfolgen müsse und durch das vorhandene Derbholz in Strukturresten bereits in wenigen Jahren wieder Durchforstungserträge anfielen.

Diskussionspunkt bei diesen Waldbildern war vor allem die Jungbestandspfleg unter Schirm. Einige Teilnehmer sahen darin eine Chance, auch in der Naturverjüngung unter Schirm für mehr individuelle Stabilität und Artenvielfalt zu sorgen. Die Gastgeber verwiesen auf die biologische Automation durch die Schirmwirkung des Oberstandes. Die ausreichend stabile Selbstdifferenzierung in derartigen Beständen konnte mit einer Bachelorarbeit belegt werden (BÖHNKE, M. (2019): Selbstdifferenzierung von Fichtennaturverjüngung unter Schirm - Eine Fallstudie im Revier Kranichfeld des Forstamtes Erfurt-Willrode. Bachelorarbeit, Fachhochschule Erfurt). Bei der Artenvielfalt setzen sie neben der Jagd vor allem auf das Lichtmanagement. Im Landeswald des Forstamtes werden außer in naturschutzfachlichen motivierten Projekten unter Schirm grundsätzlich keine Jungbestandspflegen oder schematischen Stückzahlreduktionen durchgeführt. Einig war man sich über die Bedeutung der punktgenauen Pflege in Jungwäldern, sobald sie vom Oberstand vollständig abgedeckt sind.

In direkter Nachbarschaft zeigte Revierförster Torsten Singer im Betreuungswald mit der Unterstützung von Simon Mende und Lennart Kühn, wie risikoträchtig und verjüngungsarm sich die gleichen Ausgangsbestände bei 3 herbivoren Schalenwildarten und einem anderen Jagdregime entwickeln. Im Betreuungswald des Forstamtes treffen diese Randbedingungen leider für einen großen Flächenanteil zu. Den Waldbesitzern blieb nichts anderes übrig, als mit allen Vor- und Nachteilen massiv in die künstliche Wiederbewaldung einzusteigen. Der klassische Weg mit Flächenräumung, hohen Pflanzzahlen und intensiver Kulturpflege wurde dabei durchaus erfolgreich auf beachtlichen Flächen umgesetzt, werde aber jetzt zunehmend kritisch hinterfragt. Die Zäune seien fast nicht mehr zu kontrollieren und der Arbeitsaufwand und das finanzielle Risiko (keine Fördermittel ohne Nachkontrollen) türme sich auf. Knackpunkte seien neben der reinen Flächengröße vor allem das klimatische Ausfallrisiko der Jungbäume und die Vergrasung, die durch Flächenräumung und Mulchen zusätzlich angeheizt werde. Wie sich die Teilnehmer selbst großflächig überzeugen konnten, führt die intensive Flächenvorbereitung zwar zu optimalen Bedingungen für Pflanzung und spätere Kulturpflege. Allerdings wird so auch in einem Arbeitsgang aus einem Waldboden mit reichlichem Diasporenpotenzial für holzige Gewächse eine Calamagrostis-Wiese hergestellt. Den Waldbesitzern sei es wichtig, etwas für ihren Wald zu tun, man sei aber zunehmend offen für extensivere Ansätze, die das Risiko minimieren und auch mit längeren Zeiträumen zum Ziel führen, führte Torsten Singer aus.

Diese Ansätze waren dann nach einer Mittagsstärkung mit Waldbratwurst und Bulette vom Rost am Forsthaus Willrode im Landeswald des Reviers Egstedt bei Revierleiter Robert Frohwein zu sehen: Sturmschäden und Borkenkäferlöcher wurden dort in standortsfremden Fichtenreinbeständen aus Nachkriegsaufforstungen für die Einbringung von Eichen und Wildbirnen mit kleinen Intensiv-Flächen genutzt. Als Schulwald und waldpädagogisches Projekt mit einem Durchmesser von rund einer Baumlänge gestartet, überzeugten die kleinflächigen Initiale nach 5 Jahren mit nahezu 100%igen Anwuchsprozenten und Oberhöhen von 2 m. Wuchshüllen und Robinienstäbe waren bei Rehwildabschüssen über 12 St./100 ha eher zum Wiederfinden und Mähschutz in wuchskräftiger Brombeere als zum Schutz gegen den Äser erforderlich. Allerdings seien auch diese Flächen mit Wuchshüllen nicht zum Pflege-Null-Tarif zu haben, schilderte Robert Frohwein. Jährliches Freischneiden und Reparieren der Wuchshüllen seien letztendlich fast mit den Pflegekosten bei klassischen Kulturen zu vergleichen, nur dass sie hier eben auf wesentlich kleinerer Fläche und damit beherrschbarer anfallen. Die sonst bei freier Sukzession reichlich aufkeimenden Baumarten werden aber auch bei dieser Variante durch die Pflege nahezu eliminiert.

Nach dieser gefälligen Variante der Wiederbewaldung war der nächste Exkursionspunkt für viele Teilnehmer eher gewöhnungsbedürftig. Revierleiter und Forstamtsleiter zeigten eine Störfläche in einem ehemaligen Fichtenreinbestand aus Pflanzung nach Kahlschlag, die über fast 20 Jahre und verschiedene Ereignisse Stück für Stück gewachsen war und nur sehr kleinflächig zum Beispiel für das Einbringen von Hickorys und Schwarznüssen aus eigenen Beständen genutzt wurde. Der große Teil der Fläche zeigte aber Sukzessionswälder mit führender Birke, Aspe und auch einem Teil von Schlusswaldbaumarten in Höhenstufen von bis zu 14 m. Auch diese Flächen mit ihrer Entwicklungsdynamik wurden durch eine Bachelorarbeit im Forstamt näher untersucht (SINGER, N. (2020): Sukzessionsprozesse als Beitrag für eine risikoarme Wiederbewaldung. Bachelorarbeit, Fachhochschule Erfurt). Forstamtsleiter Dr. Chris Freise konnte zeigen, wie das noch unbeeinflusste Samenreservoir im Waldboden selbst durch dickste Brombeerhecken stößt und diese Stück für Stück ausdunkelt. Die entstehenden Weichlaubholzbestände werden zum Teil sekundär durch Schlusswaldarten wie Hainbuche, Buche und Buntlaubholz unterwandert und beherbergen im Oberstand auch etliche Bergahorne, Wildkirschen und sogar die ein oder andere Eiche. In Teilen können diese Bestände bei einem aufnahmefähigen Industrieholzmarkt nach 15 bis 20 Jahren mit positivem Deckungsbeitrag durchforstet werden und bieten zahlreiche waldbauliche Entwicklungsmöglichkeiten: von der gezielten Starkholzerziehung und ggf. Astung von Birke bis zur Nutzung als reiner Vorwald oder Entwicklung als Mischwaldtyp mit hohen Weichholzanteilen. Alles ohne 1 Euro Investitionskosten und als reiner Prozessschutz. Nur Geduld koste das Abwarten dieser Entwicklung und sicher auch Kommunikationsaufwand aufgrund der ungewohnten Bilder bei Waldbesitzern und Besuchern.

Ob diese Geduld nicht durch mehr Investitionen ersetzt und so schneller zu produktiveren Wäldern führen solle, wurde intensiv diskutiert. Forstamtsleiter Dr. Chris Freise betonte, dass es eben auf die Ziele der jeweiligen Waldbesitzer und die individuellen Rahmenbedingungen ankomme. Interessant sei, dass es zahlreiche Beispiele „missglückter“ Kulturen gebe, die nach 10 Jahren das gleiche Bild wie frei laufende Sukzessionsflächen mit einem nahezu vollständigen Untergang der Investitionskosten böten. Also warum nicht gleich mit Mutter Natur arbeiten und auf Zeit „Natur Natur sein lassen“ und ihr Anpassungsspektrum an die rasant laufende Klimadrift für den Forstbetrieb nutzen? Im Forstamt Erfurt-Willrode habe man sich nach Analyse der bisherigen Erfahrungen auf ein smartes Konzept der Wiederbewaldung verständigt, bei dem Weichlaubholz und Sukzessionsprozesse auch im Betreuungswald feste Bestandteile seien.

Die wichtigsten Bausteine der smarten Wiederbewaldung:

  • weitgehende Nutzung natürlicher Sukzessionsprozesse mit minimal-invasiver Forstwirtschaft, auch Pionierwälder können ab dem Alter 20 – 40 mit dem Harvester durchforstet werden

  • Kombination von Extensiv- (Sukzession) und Intensiv-Flächen (Pflanzung klassisch, Initiale, Anreicherung – wenn erforderlich Schutz durch Wuchshülle oder Zaun)

  • Mulchen und Flächenräumung nur kleinflächig in Kombination mit Intensiv-Flächen

  • > 1 ha Schadfläche keinerlei Maßnahmen, keine Intensiv-Fläche > 1 ha wenn Wildschutz erforderlich

  • 30 m Abstand zu Nachbarbeständen, Restbestockungen,… (Sukzession) bei Intensivmaßnahmen

  • Aussparen etablierter Naturverjüngung, Restvorräte und Rückegassen, auch Fi-NV im Fi-Risiko ist Vorwald

Nicklas Singer


Ein Plädoyer für den Dauerwald

Frühjahrsexkursion „10 Jahre Betriebsziel naturgemäßer Dauerwald im Stadtwald Heldburg“

Am 4. April 2019 trafen sich rd. 60 interessierte Forstleute und Waldinteressierte im vom Forstamt Heldburg betreuten Stadtwald Heldburg zur Frühjahrstagung 2019.

Mit 3.257 ha forstlicher Betriebsfläche ist der Stadtwald Heldburg der momentan größte kommunale Forstbetrieb Thüringens, Bürgermeister Christopher Other und seine Vorgängerin Katja Kieslich reihten sich daher in die Interessierten ein und informierten sich an 7 Waldbildern über die Entwicklung zum Dauerwald.

2009 beschloss der Stadtrat Heldburg angeregt durch die Erfahrungen, welche Revier­förster Jens Freiberger auf Teilen des Stadtwaldes seit 1994 gemacht hatte, eine „mittel- bis langfristige Zielstellung für den Stadtwald Bad Colberg-Heldburg – Leit­bild der Waldbewirtschaftung“. Zentrale Aussage war: „Der Stadtwald Bad Colberg-Heldburg wird als naturgemäßer Dauerwald in einzelstamm- bis gruppen­weiser Nutzung bewirtschaftet“. 2011 beschloss die ehemals eigenständige Gemeinde Hel­lingen ein ähnliches Leitbild. Mit der Gemeindeneugliederung entstand aus beiden Teilen und der Gemeinde Gompertshausen der neue naturgemäß wirtschaftende Forstbetrieb.

Dies erschien Grund genug, nach 10 Jahren sich die ersten Ergebnisse und Ent­wick­lungs­möglichkeiten in den Revieren Heldburg und Ummerstadt anzuschauen.

Im Itz-Baunach-Hügelland gelegen ist die Baumartenausstattung mit 33 % Eiche bemerkenswert.

Die ersten beiden Waldbilder befassten sich vorrangig mit der Mischung und Struk­tu­rierung durch permanente Pflege(-nutzung). Erstaunlich, wie viel Potential an Misch­ung und hier v.a. Eichen sich in auf den ersten Blick Nadelholz-dominierten Bestän­den bei einem wachen Auge des auszeichnende Revierförsters findet.

Markiert und behutsam freigestellt bilden sie ein beeindruckendes Bestandesgerüst.

Weitere drei Waldbilder widmeten sich dem Thema Etablierung und Sicherung von Eichennaturverjüngung im Dauerwald. Die Bandbreite von trupp-, horstweiser oder femelartiger Verjüngung (eher klassische Verfahren) auf größerer Fläche boten aus­reichend Stoff zur Diskussion.

Zwei Waldbilder widmeten sich der Entwicklung von Fichtenreinbeständen zu nadel­holz­dominierten Dauerwäldern.

Natürlich wurde auch das Jagdregime (Verpachtung) und korrespondierend die Naturverjüngung in den letzten Jahrzehnten beschrieben und diskutiert. Beim Dienstantritt von Jens Freiberger 1994 schaffte es noch nicht einmal die Fichte, sich außerhalb eines Zaunes zu verjüngen. Mittlerweile gelingt dies ohne Zaun mit Buche, Eiche, Douglasie, Tanne und Ahorn. Die Stadt hat die Jagd solide geregelt. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Abgerundet wurde die Exkursion mit einem rustikalen Mittagessen im Revier.

Fazit: Auch wenn der Weg zum Dauerwald ein langer ist, kann man mit waldbaulicher Beharrlichkeit, Mut und politischem Durchhaltevermögen auch schon nach 10 Jahren beeindruckende (Zwischen-)Schritte zum Dauerwald unter Beteiligung der Eiche errei­chen, die Zuversicht zum Weitermachen verbreiten.

Autor: Lars Wollschläger

Exkursionsteilnehmer im Stadtwald Heldburg